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Gemeindegeschichte

Geschichte

 

Geschichte unserer Gemeinde

Die Herkunft des Ortsnamens „Kastl“

Der Ortsname „Kastl“ kommt mehrfach in Bayern vor. Der historische Atlas von Bayern, Band Kemnath, bezeichnet in der Zeit von 1244 bis 1747 folgende Schreibvarianten: „Chasten“, „Kastel“, „Castel“ und „Castl“. Es gibt verschiedene Ursprungsformen für den Ortsnamen Kastl, wie z.B.: „Kasten“ = Speicher (vgl. Briefkasten, Kleiderkasten, Getreidespeicher oder -Kasten) „Castell“ = Festung, Bollwerk, Burg, Zufluchtsort „Castulus“ = römischer Märtyrer, dessen Gebeine zunächst in Moosburg waren und später nach Landshut überführt wurden.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet dieses Ortsnamens war früher noch weitaus größer. Im Zuge der Gebietsreformen haben viele Einöden, Weiler oder Mühlen ihren ursprünglichen Namen aufgegeben und den der Großgemeinde angenommen. Für den Ort Kastl (bei Kemnath) kommt aus den oben aufgeführten Ursprungswörtern nur die Ableitung von „Speicher“ in Frage. Die geht auf eine Regelung zurück, wonach man früher Beamten und Dienern Grundstücke von der Gemeinde oder von der Grundherrschaft zuwies und dafür einen Getreidezins forderte, also eine Art Naturalsteuer. Dazu war ein Aufbewahrungsort notwendig, ein Speicher oder „Kasten“, der vom „Kastenamt“ (heute: Finanzamt) verwaltet wurde. Aufgrund der schon im Mittelalter bemerkenswerten Größe der Pfarrei Kastl und der Zugehörigkeit zu den Burgherren von Waldeck und Leuchtenberg sowie des nahen Kosters Speinshart befand sich im Ort ein solcher „Getreidekasten“. Im Salbuch von 1283 wird das „Schlössl“ (Hausnr. 17) bezeichnet, auf dessen Grundmauern sich das heutige „Löindlhaus“ befindet. Kellergewölbe und Brunnen sind noch vorhanden.

Neben den verschiedenen Ortsnamen, welche sich aus dem o.a. Wortstamm bilden, wie „St. Kastl“ oder „Markt Kastl“ (b. Amberg) leiten sich auch zahlreiche Familiennamen davon ab, so z.B. „Kastner", ein Name der in der Region um Kastl weit verbreitet ist.

Verfasser: Arno Stahl / Verwendete Quellen u. Literatur: Josef Scheidler “Kastl – die Landgrafen gründen die Pfarrei Kastl“, „Beim Tafernwirt“; Kemnather Heimatbote Band 3 (1983) „Die Herkunft des Ortsnamens „Kastl“.

 

Noch im 16. Jahrhundert bestand der Ort nur aus vier ganzen Höfen, 24 Gütern und einem Gütl. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wies Kastl bereits 37 Anwesen bei 63 Herdstätten auf. Innerhalb des dermaligen Gemeindegebietes hatten sich auch drei Landsassereien entwickelt, von denen die leuchtenbergischen Lehen Wolframshof und Bruck bei Kastl, wie Unterbruck früher genannt wurde, die ältesten waren.

 

Geschichte

 

Ein geschichtlicher Höhepunkt der Ortschaft war die gewonnene Schlacht gegen eine Franzosentruppe am 26. August 1796. Die Kastler Bauern traten den mit Schusswaffen ausgerüsteten Franzosen nur mit Mistgabeln entgegen und konnten sie so von einem Überfall auf die Nachbarstadt Kemnath abhalten. Dies war nur möglich, da die Soldaten die Nacht zuvor einiges über den Durst getrunken hatten.

 

Die Beziehungen der Gemeinde zu den Landgrafen von Leuchtenberg werden im Gemeindewappen durch das Leuchtenberger Wappen, den blauen Balken im silbernen Feld dargestellt, während die beiden Drachenflügel, Teile des Attributs der hl. Margaretha, zugleich an die spätgotische Pfarrkirche und an das Kloster Speinshart erinnern sollen.

 

Geschichte

 

Im Friedhof Kastl befindet sich ein sogenannter "Bonifatiusstein". Dies ist eines der ältesten Denkmäler des Landkreises Tirschenreuth. Auf diesem Stein ist eine Scheibenkreuzplatte eingemeisselt, die auch im Wappen der Gemeinde enthalten ist. Man sagt, dass Bonifatius, als Zeichen seines Wirkens, diese Steine überall dort hinterlassen hat, wo er ca. 1000 n. Chr. als Missionar tätig war. Ein weiterer Stein befindet sich im Schloss Wolframshof.